Ich habe letzte Woche auf Pinterest gestöbert und war baff: Ein Pin von einer abgelegenen Hütte in den norwegischen Fjorden hatte über 2 Millionen Saves. Zwei Millionen. Und ich dachte, ich hätte mit meinem Blog nach Jahren ganz gut im Blick, was läuft. Aber Pinterest tickt anders. Viel anders. Die Plattform ist kein soziales Netzwerk im klassischen Sinne – sie ist eine visuelle Suchmaschine, die Trends oft Monate, bevor sie im echten Leben ankommen, vorhersagt. 2024 war da keine Ausnahme. Und ehrlich gesagt: Wer diese Trends ignoriert, verpasst nicht nur Traffic, sondern auch die Chance, seine Reiseplanung radikal zu verbessern. Ich habe die Daten gewälzt, eigene Boards analysiert und mit ein paar Leuten gesprochen, die ihr Geld damit verdienen, Pins zu optimieren. Hier ist, was wirklich abging – und was du daraus lernen kannst.
Wichtige Erkenntnisse
- Pinterest ist kein soziales Netzwerk, sondern eine visuelle Suchmaschine – Trends entstehen hier oft ein Jahr vor der Massenadaption.
- 2024 dominierte „Underrated Travel“ – abseits der überlaufenen Hotspots, aber nicht unbedingt günstiger.
- „Dark Tourism“ und „Solo Female Travel“ sind keine Nischen mehr, sondern haben eigene Millionen-Communities.
- Der Trend zu „Digital Detox“ ist real: Orte ohne Handyempfang wurden zu den am schnellsten wachsenden Suchbegriffen.
- Pinterest verlangt vertikale, hochwertige Bilder – ein schlecht optimierter Pin stirbt sofort.
- Die beste Strategie: Trends nicht blind kopieren, sondern mit eigener Note kombinieren.
Underrated Travel: Die Kunst, den Massen zu entkommen
Der größte Trend 2024 war nicht Bali, nicht die Malediven. Es war „Underrated Travel“ – Orte, die du noch nicht kennst, aber in zwei Jahren jeder kennen wird. Pinterest-Suchanfragen für „off the beaten path Europe“ stiegen um 340% (laut Pinterest Business Daten). Ich habe das selbst getestet: Mein Pin über das Durmitor-Gebirge in Montenegro – ein Ort, den ich 2022 besuchte und kaum fotografierte – hatte plötzlich 50.000 Aufrufe. Warum? Weil die Leute genug haben von überlaufenen Instagram-Spots.
Warum funktioniert das?
Es ist nicht nur der Wunsch nach Ruhe. Es ist eine Gegenbewegung zum Algorithmus. Auf Instagram siehst du immer dasselbe: Eiffelturm, Kolosseum, Tempel in Thailand. Pinterest-Boards sind persönlicher. Die Leute suchen nach ihrem Ort, nach etwas, das sie noch nicht gesehen haben. Und sie teilen diese Funde wie Geheimtipps. Ein Beispiel: Die Stadt Mostar in Bosnien war 2023 noch ein Nischentipp. 2024 schoss sie in die Top 10 der gespeicherten Reiseziele auf Pinterest. Ich war dort – es ist atemberaubend, aber auch schon voller. Der Trend frisst sich selbst.
Meine Erfahrung: Der Fehler, den ich gemacht habe
Früher habe ich einfach die Top-10-Listen von Reisemagazinen kopiert. Ergebnis: kaum Klicks. Dann habe ich angefangen, selbst zu suchen: kleine Dörfer in Georgien, versteckte Buchten in Albanien. Ein Pin über Kotor (Montenegro) brachte mir in drei Tagen mehr Traffic als sechs Monate Standard-Content. Der Haken: Du musst echte Bilder haben. Gestochene Stockfotos von „unbekannten“ Orten? Pinterest erkennt das – und bestraft dich mit Reichweite. Meine Empfehlung: Such dir ein Land aus, das du selbst bereist hast, und grabe tiefer. Nicht „Italien“, sondern „die vergessenen Dörfer der Abruzzen“. Das ist der Unterschied.
- Top-Suchbegriffe 2024: „underrated cities Europe“, „hidden gems Italy“, „secret beaches Croatia“
- Wachstumsrate: +340% für „off the beaten path Europe“ (Quelle: Pinterest Business)
- Mein Tipp: Verwende Long-Tail-Keywords wie „ruhige Strände in Griechenland ohne Touristen“ – die Konkurrenz ist geringer, die Klickrate höher.
Dark Tourism: Wo Geschichte wehtut
Das klingt makaber, ich weiß. Aber Dark Tourism – Reisen zu Orten mit tragischer oder dunkler Geschichte – war 2024 einer der am schnellsten wachsenden Trends auf Pinterest. Suchanfragen nach „Chernobyl tour“, „Auschwitz memorial“ und „abandoned places Europe“ stiegen um über 200%. Ich habe das anfangs belächelt. Bis ich selbst einen Pin über die Kriegsrelikte in Mostar postete – Einschusslöcher, verfallene Häuser, die Brücke. Der Pin hatte innerhalb einer Woche 80.000 Saves. Die Leute wollen nicht nur Sonnenuntergänge. Sie wollen Geschichte begreifen – und zwar die unangenehme.
Was taugt wirklich – und was ist geschmacklos?
Die Grenze ist schmal. Ich habe Pins gesehen, die vor Pripyat (der Geisterstadt bei Tschernobyl) mit fröhlichen Emojis posierten. Das geht gar nicht. Die Community auf Pinterest ist sensibler als auf Instagram. Erfolgreiche Dark-Tourism-Pins sind respektvoll und informativ. Sie zeigen nicht nur das Grauen, sondern erklären den Kontext. Mein bester Pin war ein Bild von einer zerstörten Kirche in Bosnien mit dem Text: „Was hier 1993 geschah – und warum du trotzdem kommen solltest.“ Der Text war sachlich, das Bild düster, aber nicht reißerisch. Das funktioniert.
Praktische Tipps für Dark Tourism auf Pinterest
- Verwende keine grellen Farben – Schwarz-Weiß oder gedeckte Töne performen besser.
- Schreibe erklärende Bildunterschriften – die Leute wollen lernen, nicht nur gaffen.
- Vermeide „Abandoned“-Buzzwords, wenn es um sensible Orte wie KZs geht. Nutze „Gedenkstätte“ oder „historischer Ort“.
- Meine Fail-Story: Ich habe einmal ein Bild von einem verlassenen Sanatorium mit „gruseligster Ort Europas“ getaggt. Der Pin wurde gemeldet und gelöscht. Seitdem bin ich vorsichtiger.
Solo Female Travel: Allein, aber nie einsam
Der Trend ist nicht neu, aber 2024 explodierte er auf Pinterest. Suchanfragen wie „solo female travel Europe“ oder „safe countries for women“ stiegen um 180%. Was mich überraschte: Es ging nicht nur um Sicherheit. Die Boards waren voll mit „Self-Care on the Road“ – Yoga-Retreats, Wellness-Hotels, Tagebuch-Ideen. Pinterest ist hier viel emotionaler als andere Plattformen. Die Nutzerinnen (und es sind überwiegend Frauen) suchen nicht nur Reiseziele, sondern ein Lebensgefühl.
Was ich falsch gemacht habe
Ich habe anfangs nur Ziele gepostet: „Beste Städte für Alleinreisende“. Ergebnis: lauwarme Resonanz. Dann habe ich einen Pin gemacht mit dem Titel „Was ich in 30 Tagen Alleinreise über mich gelernt habe“ – und einem Foto von mir, wie ich auf einem Felsen in Schottland sitze, Buch in der Hand, Regenjacke an. Der Pin ging viral (für meine Verhältnisse): 120.000 Saves. Die Lektion: Persönliche Geschichten verkaufen sich besser als trockene Listen. Zeig dich. Zeig deine Zweifel. Die Community belohnt Authentizität.
Die besten Nischen für Solo Female Travel 2024
- „Solo but not lonely“: Gruppenreisen für Alleinreisende (z.B. G Adventures, Intrepid) – Suchvolumen +150%
- „Female-only hostels“: In Tokio, Lissabon und Barcelona entstanden reine Frauen-Hostels – Pinterest voller Pins dazu
- „Workation for women“: Co-Working-Spaces mit Kinderbetreuung – ja, das gibt es. Suchbegriff: +220%
- Mein Fail: Ich habe mal einen Pin über „günstige Solo-Reisen“ gemacht. Die Leute wollen nicht günstig – sie wollen sicher und erfüllend. Preis ist zweitrangig.
Digital Detox: Orte, die dich zwingen, offline zu gehen
Das klingt paradox – ein Trend auf Pinterest, der Plattform, die von Bildschirmzeit lebt. Aber genau das macht ihn so stark. Die Leute suchen Gegenbilder zu ihrem Alltag. 2024 stiegen Suchanfragen nach „no service cabins“, „offline travel destinations“ und „digital detox retreats“ um 280%. Ich habe selbst so eine Hütte in Schweden gebucht – kein Strom, kein Handyempfang, nur ein See und ein Kanu. Der Pin dazu (ein verschwommenes Handyfoto vom Sonnenuntergang) hatte 40.000 Saves. Die Leute hungern nach Echtheit.
Was funktioniert – und was nicht
Die erfolgreichsten Pins zeigen keine Menschen. Nur Landschaft, Hütte, Natur. Der Text sollte das Gefühl beschreiben: „Stell dir vor: kein Piepen, keine Mails, nur das Rauschen der Bäume.“ Kitschig? Vielleicht. Aber es funktioniert. Ich habe auch Pins mit modernen Luxus-Hütten (mit Glasfront und Whirlpool) getestet – die performten schlechter. Die Community will radikale Einfachheit, nicht „Glamping“. Ein Beispiel: Ein Pin eines rustikalen Zeltlagers in Norwegen hatte 3x mehr Saves als ein Pin derselben Gegend mit einem Design-Hotel.
| Kategorie | Suchvolumen 2024 | Wachstum ggü. 2023 | Mein Tipp |
|---|---|---|---|
| No service cabins | 1,2 Mio. Pins | +280% | Fokus auf Isolation, nicht Luxus |
| Digital detox retreats | 850.000 Pins | +210% | Preise nennen – die Leute zahlen dafür |
| Offline travel destinations | 620.000 Pins | +190% | Karte mit einzeichnen, wo kein Empfang ist |
Reisefotografie Trends: Was auf Pinterest funktioniert – und was nicht
Ich habe jahrelang gebraucht, um zu verstehen: Pinterest ist nicht Instagram. Auf Instagram zählt der perfekte Moment – golden hour, fließendes Kleid, perfekte Pose. Auf Pinterest zählt Nützlichkeit. Die Leute speichern Pins, die ihnen bei der Planung helfen. Ein Bild von einem Strand? Okay. Ein Bild von einem Strand mit einer Karte, wo der beste Parkplatz ist? Besser. Ein Bild von einem Strand mit einer Liste der nahegelegenen Cafés? Gold wert.
Die drei Säulen erfolgreicher Reisefotografie auf Pinterest
- Vertikales Format (2:3 oder 1:2,5) – horizontale Bilder sterben auf Pinterest. Ich habe denselben Ort horizontal und vertikal getestet: vertikal hatte 5x mehr Impressionen.
- Textüberlagerung – ein kurzer, fetter Titel auf dem Bild (z.B. „10 Geheimtipps für Kroatien“) erhöht die Klickrate um 80%. Aber nicht zu viel Text – maximal 20% der Bildfläche.
- Farbpsychologie – Blau- und Grüntöne performen am besten. Rote oder orangefarbene Bilder (außer Sonnenuntergänge) haben eine niedrigere Save-Rate. Meine Theorie: Blau signalisiert Ruhe und Weite – genau das, wonach die Leute suchen.
Mein größter Fail – und was ich daraus gelernt habe
2023 postete ich ein atemberaubendes Foto von den Faroe-Inseln – Nebel, Schafe, grüne Hügel. Technisch perfekt. Ergebnis: 200 Saves. Dann postete ich ein unscharfes Handyfoto von einem Schild mit der Aufschrift „Nächster Supermarkt: 45 km“. Der Pin hatte 15.000 Saves. Die Lektion: Praktische Informationen sind wertvoller als Ästhetik. Die Leute wollen wissen, wie sie hinkommen, wo sie essen, was sie erwartet. Seitdem füge ich jedem Bild eine Mini-Infobox bei (Entfernung, Kosten, Öffnungszeiten). Das hat meine Engagement-Rate verdoppelt.
Was bleibt von 2024? Ein Blick nach vorn
Wenn ich eines aus den letzten Jahren gelernt habe, dann: Pinterest-Trends sind keine Moden, sondern Seismographen. Was 2024 auf Pinterest abging – Underrated Travel, Dark Tourism, Solo Female Travel, Digital Detox – das sind keine flüchtigen Hypes. Es sind Antworten auf echte Bedürfnisse: der Wunsch nach Authentizität, nach Bedeutung, nach Ruhe in einer lauten Welt. Die Plattform zeigt uns, wohin die Reise geht – im wörtlichen Sinne.
Mein Rat: Hör auf, Trends zu jagen. Fang an, deine eigene Perspektive zu teilen. Such dir einen Trend aus, der zu dir passt (bei mir war es Underrated Travel), und mach ihn zu deinem Thema. Erstelle Boards, die nicht nur sammeln, sondern helfen. Und vor allem: Sei echt. Die Community auf Pinterest riecht Fake aus tausend Pins Entfernung.
Deine nächste Aktion? Öffne Pinterest. Such nach einem Trend aus diesem Artikel. Erstelle einen Pin mit einem eigenen Foto und einem nützlichen Tipp. Poste ihn. Und dann schreib mir in die Kommentare, was passiert ist. Ich wette, du wirst überrascht sein.
Häufig gestellte Fragen
Wie finde ich die aktuellsten Reisetrends auf Pinterest?
Am einfachsten: Gib in der Pinterest-Suche ein Reiseziel plus „2024“ oder „2025“ ein und sortiere nach „Neueste Pins“. Noch besser: Nutze den Pinterest Trends-Tool (kostenlos, aber nur für Business-Accounts). Dort siehst du Suchvolumen und saisonale Spitzen. Ich checke das alle zwei Wochen – die Trends ändern sich schneller, als du denkst.
Welche Bildgröße ist optimal für Reise-Pins?
Empfohlen wird 1000 x 1500 Pixel (2:3-Verhältnis). Ich habe auch 1000 x 2000 getestet – die längeren Pins performen bei mobilen Nutzern besser, weil sie mehr Platz auf dem Bildschirm einnehmen. Aber Vorsicht: Zu lang (>2500 Pixel) wird abgeschnitten. Mein Sweet Spot: 1000 x 1800.
Kann ich mit Reise-Pins Geld verdienen?
Ja, aber nicht direkt über Pinterest. Die Plattform ist ein Traffic-Generator. Ich verdiene über Affiliate-Links (z.B. zu Booking.com oder Reiseausrüstung) und über meinen eigenen Blog. Ein Pin, der auf einen Blogartikel verlinkt, kann monatelang Klicks bringen – das ist der wahre Wert. Rechne mit 50-200 Euro monatlich, wenn du konsequent 10-20 Pins pro Woche postest. Kein schnelles Geld, aber nachhaltig.
Was mache ich, wenn meine Pins keine Saves bekommen?
Erstens: Prüf deine Bildqualität. Verwackelte Handyfotos ohne Text funktionieren nicht. Zweitens: Überarbeite deine Titel. Statt „Strand in Spanien“ schreib „Versteckter Strand in Spanien: Nur mit Boot erreichbar“. Drittens: Poste zur richtigen Zeit. Meine Daten zeigen: Samstagvormittag und Sonntagabend (deutsche Zeit) haben die höchste Engagement-Rate. Viertens: Hab Geduld. Pinterest ist ein Marathon, kein Sprint. Mein erster Pin brauchte 3 Monate, um 1000 Saves zu erreichen. Der zweite schaffte das in 2 Wochen.
Sind diese Trends auch 2025 noch relevant?
Ja und nein. Underrated Travel und Digital Detox bleiben stark – der Bedarf wächst eher. Dark Tourism wird sich weiter ausdifferenzieren (z.B. Industriekultur statt nur Kriege). Solo Female Travel wird noch spezifischer: Ich sehe einen Trend zu „Solo Mother-Daughter Trips“. Aber: Die genauen Suchbegriffe ändern sich. Was 2024 „hidden gems“ war, heißt 2025 vielleicht „slow travel secrets“. Bleib dran, aktualisiere deine Boards und vor allem: Reise selbst. Nichts schlägt eigene Erfahrung.