Hanföl bei dm – das ist so eine Sache, bei der ich regelmäßig gefragt werde: „Gibt's das da überhaupt noch, und kann man das trinken?" Die kurze Antwort: Ja, es gibt Hanföl bei dm. Die lange Antwort ist deutlich unangenehmer, weil drei völlig verschiedene Produkte unter demselben Wort verkauft werden – und nur eines davon hat mit dem zu tun, was die meisten Leute eigentlich meinen.
Ich stand vor ein paar Monaten selbst in einer dm-Filiale in Hannover, drehte das Regal mit den Speiseölen um und suchte nach einem Hanföl, das ich einer Freundin empfehlen konnte. Gefunden habe ich ein Bio-Hanföl von dmBio für unter 6 Euro. Daneben, in der Kosmetikabteilung, ein Hanf-Öl fürs Gesicht. Und irgendwo dazwischen die Frage, die mich seitdem begleitet: Wo ist eigentlich das CBD-Öl hin, das 2019 für Schlagzeilen sorgte?
Wichtige Erkenntnisse
- Bei dm gibt es Speise-Hanföl (dmBio) und kosmetisches Hanföl – das sind zwei verschiedene Dinge mit verschiedenen Anwendungen.
- CBD-Öle sind bei dm seit Jahren nicht mehr regulär im Regal; die Geschichte von 2019 war ein kurzes Comeback mit anschließendem Rückzug.
- Hanföl aus dem Drogeriemarkt ist ein Lebensmittel oder Kosmetikum, kein Arzneimittel – und enthält kein nennenswertes CBD.
- Beim Kauf zählt der Blick auf Fettverhältnis, Herkunft und Haltbarkeit, nicht das Hanfblatt auf dem Etikett.
- Wer CBD will, wird bei dm nicht fündig – und sollte das auch nicht im Drogeriemarkt erwarten.
Hanföl bei dm: Was da wirklich im Regal steht
Der wichtigste Punkt zuerst, weil er 90 Prozent der Verwirrung erklärt: „Hanföl" ist kein geschützter Begriff. Ein Hersteller darf damit ein kaltgepresstes Speiseöl aus Hanfsamen bezeichnen, ein Kosmetikprodukt mit Hanfsamenextrakt – oder, rechtlich heikler, ein Extrakt aus der Blüte mit Cannabinoiden. Drei Produkte, drei Rechtsräume, ein Wort.
Das Speiseöl: dmBio Hanföl
Das ist das Produkt, das die meisten beim Stichwort „Hanföl dm" eigentlich suchen. Es steht bei den Speiseölen, meist in einer dunklen Flasche, oft in Bio-Qualität. Preislich liegt es je nach Filiale und Format im einstelligen Eurobereich pro Flasche – das ist für ein kaltgepresstes Öl günstig, aber kein Wunder, denn Hanfsamen sind ein Nebenprodukt der Faserproduktion und damit billig einzukaufen.
Geschmacklich ist das Zeug polarisierend. Ich hab die erste Flasche aufgemacht, gerochen und gedacht: Das riecht nach gemähtem Rasen. Was stimmt. Hanföl hat diese grasige, leicht nussige Note, die man entweder mag oder nicht. Zum Braten taugt es nicht, dafür ist der Rauchpunkt zu niedrig – Salat, Dressing, über gekochte Kartoffeln, fertig. Drei bis vier Monate nach dem Öffnen sollte die Flasche leer sein, sonst kippt es. Ich hatte mal eine angebrochene Flasche sechs Monate im Schrank vergessen. Riecht dann nach alter Wiese. Wegschütten.
Das Kosmetiköl: Hanf fürs Gesicht
In der Gesichtspflege-Abteilung tauchen Produkte mit Hanfsamenöl auf – teils Eigenmarken, teils Markenware. Und hier wird es für mich interessant, weil dm das in einer eigenen Linie positioniert. Hanfsamenöl in Kosmetik ist unproblematisch: es enthält praktisch kein THC und kein CBD, sondern vor allem Linolsäure und etwas Alpha-Linolensäure. Für trockene Haut funktioniert das ganz gut, ich habe es an einem Winter mit sehr kalten Temperaturen an den Händen ausprobiert und fand es ehrlich gesagt besser als so manche teure Handcreme.
Was Sie dabei nicht erwarten sollten: irgendeinen Effekt, der über normales Pflanzenöl hinausgeht. Es ist ein gutes, günstiges Öl. Es ist keine Wunderwaffe.
Und das CBD-Öl?
Wer heute bei dm nach einem CBD-Produkt mit Cannabinoiden sucht, findet nichts – jedenfalls nichts, was als solches deklariert ist. Die Geschichte dazu ist kurz und lehrreich. dm hatte das CBD-Hanföl eines österreichischen Herstellers eine Zeit lang im Sortiment, nahm es dann wieder raus, und Rossmann zog in derselben Woche nach. Dahinter stand die Frage, ob CBD überhaupt als Lebensmittel verkauft werden darf. Die Antwort der Behörden war damals alles andere als eindeutig – Stichwort „Neuartige Lebensmittel", auf Englisch „Novel Food". Der Punkt ist bis heute nicht sauber geklärt.
Für die Drogeriekette war das Grund genug, das Produkt wieder zu entfernen. Die rechtliche Unsicherheit wandert sonst vom Hersteller zum Händler.
Speiseöl, Kosmetik, CBD: der Unterschied in der Praxis
Ich habe mir irgendwann eine kleine Tabelle in mein Notizbuch gemalt, weil ich es selbst ständig durcheinandergebracht habe. Vielleicht hilft sie Ihnen auch:
| Merkmal | Speise-Hanföl (dmBio) | Kosmetik-Hanföl | CBD-Öl |
|---|---|---|---|
| Zweck | Essen, Kochen, Salat | Hautpflege | Cannabinoid-Zufuhr |
| Wirkstoff | Fettsäuren, kein CBD | Fettsäuren, kein CBD | CBD, teils Spuren THC |
| Bei dm erhältlich | ja | ja | nein |
| Preisniveau | günstig, einstellig | mittleres Preissegment | deutlich teurer |
| Rechtlicher Status | Lebensmittel | Kosmetikum | Graubereich |
Der entscheidende Punkt in dieser Tabelle: Die ersten beiden Spalten haben nichts mit der Wirkung zu tun, die man sich von CBD erhofft. Hanfsamenöl und CBD-Öl werden in der Werbung gern in einen Topf geworfen, weil das Hanfblatt auf beiden drauf ist. Inhaltlich trennen sie Welten.
Was bedeutet der THC-Grenzwert konkret?
Bei Lebensmitteln aus Hanfsamen gilt ein strenger Grenzwert für den THC-Gehalt – die Rede ist von Werten im Bereich von 0,005 bis 0,01 Gramm pro Kilogramm in der EU-Verordnung für Lebensmittel. Für Nutzhanf im Anbau gelten andere Zahlen, nämlich die Grenze von 0,3 Prozent THC in der Pflanze. Das klingt widersprüchlich, ist aber logisch: Beim Anbau geht es um die Pflanze, beim Lebensmittel um das, was am Ende im Öl landet. Ein sauber hergestelltes Speise-Hanföl ist deshalb kein Rauschmittel, sondern Fett mit Geschmack.
Worauf Sie beim Hanföl-Kauf achten sollten
Nach einigen Flaschen und ein paar Fehlkäufen habe ich für mich eine kurze Checkliste, die ich immer wieder abarbeite. Sie funktioniert bei dm genauso wie bei Rossmann oder im Bioladen.
- Flasche dunkel, Öl kaltgepresst. Licht zerstört die empfindlichen Fettsäuren. Wenn das Öl in klarem Glas steht, lassen Sie es stehen.
- Herkunft lesen. Steht nur „EU" oder „Nicht-EU" drauf, wissen Sie nichts. Regionale Angaben sind ein gutes Zeichen.
- Fettverhältnis prüfen. Ein gutes Speise-Hanföl hat ein Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 im Bereich von ungefähr 3 zu 1. Das steht oft auf der Rückseite – und wenn nicht, ist das schon eine Aussage.
- MHD im Blick behalten. Je näher das Datum, desto länger stand die Flasche im Regal. Ich greife immer die hintere.
- Nicht aufs Hanfblatt reinfallen. Das Etikett sagt nichts über Qualität. Die Inhaltsliste sagt mehr.
Bio-Hanföl bei dm – lohnt das?
Ehrlich gesagt, für mich ja – aber nicht wegen des Bio-Siegels an sich, sondern weil das dmBio-Hanföl ein verlässliches Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Ich habe parallel ein Hanföl aus einem Bio-Fachgeschäft getestet, das dreimal so teuer war. Geschmacklich war es feiner, keine Frage. Aber für ein Dressing am Dienstagabend reicht das günstige völlig aus. Für ein besonderes Gericht würde ich das teure nehmen. Das ist eine Frage des Anlasses, nicht der Gesundheit.
dm oder Rossmann – gibt's da einen Unterschied?
Bei Hanföl als Speiseöl ist der Unterschied gering. Beide Ketten führen Bio-Hanföl in ähnlicher Preisklasse, teils von denselben Abfüllern. Bei CBD-Produkten haben beide die gleiche Entscheidung getroffen – nämlich den Rückzug aus dem regulären Sortiment. Wenn Sie in einem der beiden Märkte ein CBD-Öl finden, dann als Aktionsware oder Sonderposten, nicht als dauerhaftes Regalprodukt.
Der eigentliche Unterschied liegt bei der Frage, worauf Sie Wert legen: dm hat ein größeres Bio-Sortiment, Rossmann war bei manchen Hanfkosmetik-Linien früher dran. Für die konkrete Kaufentscheidung bei einem 5-Euro-Öl finde ich das aber ehrlich gesagt zweitrangig.
Hanföl bei dm im Test – meine ehrliche Erfahrung
Ich hab das dmBio-Hanföl über zwei Monate regelmäßig verwendet: morgens einen Esslöffel ins Müsli (nicht mein Fall, der grasige Geschmack passt nicht zu Haferflocken), mittags im Salatdressing (funktioniert), abends über gekochtem Gemüse (mein Favorit). Nach acht Wochen war die Flasche leer, ich hatte keine Verdauungsprobleme, keinen Hautausschlag, keine Überraschung irgendeiner Art.
Was ich nicht hatte: irgendeinen spürbaren Effekt, der über das hinausging, was jedes gute Leinöl oder Walnussöl auch macht. Und das ist auch völlig in Ordnung. Hanföl ist kein Heilmittel, es ist ein Fett mit einem speziellen Geschmack. Wer mehr erwartet, wird enttäuscht – und sollte dann eben zu einem echten CBD-Produkt aus einer Apotheke oder einem spezialisierten Fachgeschäft greifen, mit Zertifikat und klarer Deklaration. Das gibt es bei dm nicht.
Lohnt sich der Kauf?
Wenn Sie ein gutes, günstiges Pflanzenöl für kalte Küche suchen: ja, kaufen. Wenn Sie CBD wollen: nein, dann sind Sie im Drogeriemarkt an der falschen Adresse – und das ist eine Entscheidung, die dm bewusst so getroffen hat.
Was bleibt von der Hanföl-Debatte
Ich denke immer noch an diese eine Flasche im Regal, die ich fast gekauft hätte, weil vorne ein großes Hanfblatt drauf war – und hinten stand dann: „Hanfsamenöl, kaltgepresst". Das ist kein Betrug, das ist einfach die Sprache des Marktes. Aber es zeigt, wie viel Verwirrung ein einziges Wort anrichten kann, wenn drei verschiedene Produkte sich denselben Namen teilen.
Die eigentliche Lektion aus der ganzen dm-Geschichte ist nicht, dass Hanföl gut oder schlecht ist. Es ist die Erkenntnis, dass der Regalplatz in einem Drogeriemarkt keine Aussage über Wirkung ist. Er ist eine Aussage über Regulatorik, Nachfrage und das, was ein Händler sich rechtlich zutraut. Wenn Sie das nächste Mal vor dem Hanfregal stehen: Drehen Sie die Flasche um. Die Rückseite erzählt eine ehrlichere Geschichte als das Hanfblatt auf der Vorderseite.